Kaum ein Thema wird im Marketing so heiß diskutiert wie KI. In Google Ads ist die Lage aber besonders. Anders als bei vielen anderen Werkzeugen kannst du dort deine eigene KI nur begrenzt einbringen. Google baut die künstliche Intelligenz lieber selbst und direkt in sein System ein. Was das bedeutet und wie du damit umgehst, schaue ich mir in diesem Beitrag an.
Warum Google externen KI-Tools wenig Raum lässt
Google Ads ist ein geschlossenes System. Die Auktion, die Gebotslogik und ein großer Teil der Aussteuerung laufen in einer Blackbox, auf die du von außen kaum zugreifst. Kampagnentypen wie Performance Max nehmen dir bewusst viele Hebel aus der Hand und überlassen die Entscheidungen dem Algorithmus von Google.
Für externe KI-Tools bleibt damit wenig Platz. Du kannst kein eigenes Modell in die Auktion einklinken, das für dich bietet oder in Echtzeit optimiert. Die Schnittstellen sind begrenzt, und die wichtigen Stellschrauben behält Google für sich. Wer glaubt, er könne mit einem cleveren Fremd-Tool die Plattform überlisten, unterschätzt, wie fest Google die Kontrolle hält.
Stattdessen baut Google seine eigene KI-Welt
Google überlässt das Feld aber nicht sich selbst. Innerhalb der eigenen Umgebung kommen immer mehr KI-Produkte dazu, die direkt an Konto, Feed und Kampagnen andocken. Drei Entwicklungen sind besonders wichtig.
Produktbilder aus der KI
Über Werkzeuge wie das Product Studio erzeugt und bearbeitet Google Produktbilder direkt im System. Hintergründe werden ausgetauscht, Szenen ergänzt, Varianten auf Knopfdruck erstellt. Für Shops heißt das, dass sich Bildmaterial ohne aufwendiges Fotoshooting anpassen lässt, gespeist aus dem eigenen Produkt-Feed.
Videos ohne Dreh
Google generiert zunehmend Videoanzeigen aus vorhandenen Bausteinen. Aus Bildern, Texten und Feed-Daten entstehen kurze Clips, die automatisch dort ausgespielt werden, wo Video sinnvoll ist. Die Hürde, überhaupt Bewegtbild zu haben, sinkt damit deutlich.
Ein Chatbot mit Video-Funktion
In der Oberfläche von Google Ads sitzt inzwischen ein KI-Assistent, mit dem du dich unterhältst, um Kampagnen aufzubauen, Ideen zu bekommen und Assets zu erstellen. Neu ist, dass dieser Assistent nicht nur Texte und Bilder liefert, sondern auch Video mit einbezieht. Die Erstellung rückt damit noch näher an einen einzigen Ort, an dem du beschreibst, was du willst, und Google den Rest vorschlägt.
Du gewinnst nicht gegen Googles KI. Du gewinnst, indem du sie mit den richtigen Daten fütterst.
Was das für dich als Werbetreibenden bedeutet
Der Hebel verschiebt sich. Wenn du die KI von Google nicht ersetzen kannst, entscheidet die Qualität dessen, was du ihr gibst. Ein sauberer Produkt-Feed, gute Creatives, klare Conversion-Signale und verlässliche First-Party-Daten sind das Futter, mit dem der Algorithmus arbeitet. Bekommt er Müll, liefert er Müll, egal wie stark das Modell ist.
Genauso wichtig ist Kontrolle an den Stellen, die dir bleiben. Kampagnenstruktur, Ausschlüsse, Zielvorgaben und vor allem eine belastbare Messung geben dir die Richtung zurück, die dir Performance Max sonst nimmt. Wer diese Grundlagen vernachlässigt und alles der Automatik überlässt, landet schnell in einer teuren Blackbox, deren Ergebnisse niemand mehr erklären kann.
Wo der Mensch trotzdem gebraucht wird
Die KI übernimmt das Ausspielen, das Erstellen von Assets und einen Großteil der Optimierung. Was sie nicht übernimmt, ist die Frage, ob sich das Ganze für dein Geschäft überhaupt rechnet. Die Steuerung auf Marge und Kundenwert, die Auswahl der richtigen Signale, das Beurteilen der generierten Bilder und Videos und das Erkennen, wann die Automatik in die falsche Richtung läuft, bleiben Aufgaben für einen Menschen mit Erfahrung.
Meine Rolle verschiebt sich damit vom Schrauber zum Piloten. Ich stelle sicher, dass Google die richtigen Daten und Ziele bekommt, prüfe, was die Automatik daraus macht, und greife ein, bevor Budget in die falsche Richtung fließt.
Worauf es hinausläuft
KI in Google Ads ist keine Frage von Fremd-Tool gegen Plattform. Google baut seine eigene Welt aus Produktbildern, Videos und einem Assistenten, der immer mehr selbst erledigt. Dein Vorteil entsteht nicht dadurch, dass du dagegen ankämpfst, sondern dass du diese Werkzeuge mit sauberen Daten fütterst und an den entscheidenden Stellen die Kontrolle behältst. Wenn du wissen willst, wie gut dein Konto darauf vorbereitet ist, schaue ich es mir gern an.

